01

Begegnung statt Lehrfilm

Kiki in der Gruppe war János Xantus’ letzter Film und wurde 2010 gedreht. Er entstand aus einer mit mehreren Kameras aufgezeichneten Psychodrama-Arbeit, wollte aber die Erfahrung zeigen und nicht die Methode technisch erklären.

02

Die Kraft des Hier und Jetzt

Psychodramatisches Spiel holt vergangene oder vorgestellte Situationen in die Gegenwart. Schnitt und Nahaufnahmen formen zwar das Gesehene, doch das Risiko und die Spontaneität des Prozesses bleiben spürbar: Der nächste Satz oder die nächste Bewegung ist nicht vollständig vorgegeben.

03

Die Gruppe als aktives Beziehungsfeld

Der Film zeigt, dass Psychodrama nicht die private Geschichte eines Einzelnen vor Publikum ist. Gruppenmitglieder übernehmen Rollen, beteiligen sich mit Aufmerksamkeit und körperlicher Anwesenheit und knüpfen später mit eigenen Erfahrungen an. Die Geschichte bleibt persönlich und wird zugleich gemeinsam getragen.

04

Rolle, Rollentausch und Perspektive

Durch einen Platzwechsel kann ein Teilnehmer die Rolle eines anderen einnehmen und später die eigene Szene von außen betrachten. Rollentausch ist kein Gedankenlesen und beweist nicht, was der andere fühlte. Er lockert die Vorstellung, es gebe nur eine mögliche Deutung.

05

Was macht die Kamera mit dem intimen Raum?

Der Film macht einen Prozess sichtbar, der gewöhnlich durch Vertraulichkeit und einen geschlossenen Rahmen geschützt ist. Klare Grenzen und Einwilligung sind unverzichtbar, doch die Kamera bleibt nicht neutral. Auch die Zuschauer tragen Verantwortung und sollten aufmerksam statt wertend schauen.

06

Was der Film zeigt – und nicht ersetzen kann

Der Film bringt Handlung, Stille, Gruppenresonanz und das Entstehen neuer Bedeutungen näher. Der Zuschauer wird jedoch nicht zum Gruppenmitglied und übernimmt nicht die wechselseitige Verantwortung des Prozesses. Der Film öffnet ein seltenes Fenster, ersetzt aber keine eigene Teilnahme.